Demeter

Kronacker Blog

04
Jul

Pflanzenzüchtung am Kronacker

Warum soll ein gärtnerischer DEMETER-Betrieb sich eigentlich um Pflanzenzüchtung kümmern?
Etwas, was die gehobene Biobranche in Deutschland ausmacht, ihre Innovationen, ihre Entwicklungsfähigkeit, ist vor allem ihre Fähigkeit in Netzwerken zusammenzuarbeiten. 1988 begann das mit dem Statement: Wir wollen unser eigenen Saatgut haben und nicht von der Petrochemie abhängig sein!

Wie lang und beschwerlich dieser Weg sein würde, wussten wir damals alle nur in Ansätzen. Mittlerweile besteht ein deutschlandweites Netzwerk von kleinen Saatzuchtbetrieben und on-farm arbeitenden Züchtern wie es auf unserem Betrieb geschieht. Gefördert durch die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und z. B. bei uns Kultursaat e.V.
Die Anzahl der ökologischen Getreide – und Gemüsesorten, die die Bundessortenprüfung bestanden haben, stieg dadurch beträchtlich an , so dass mittlerweile für die Ökobranche in einigen Bereichen verbürgt gentechnikfreies Saatgut, nach Lebewesen wertschätzenden Züchtungsmethoden, hybridfrei zur Verfügung steht.
Das Sortensterben im Nahrungspflanzenbereich und gleichzeitig die Patentierungen der Saatmultis, machen es immer schwerer vom Züchterrecht Gebrauch zu machen, mit Sorten  der Züchterkollegen neue Linien zu züchten. Auch hier spielt das Netzwerk eine große Rolle um Linien zu erhalten, die nicht die BSA Prüfung bestehen, aber als Eltern wichtige Merkmale weitergeben. So erhalten wir auf dem Kronacker verschiedene Wirsing, Zwiebel, Knoblauch und Bohnenlinien.
Mittlerweile werden unsere unterschiedlichen Standorte immer interessanter für Forschung im Bereich Klimawandel, Pflanzenerkrankungen und Anpassung.
Die Nahrungspflanzen reagieren teils schon sehr empfindlich auf den Klimawandel. Ausgedehntere Frühjahrstrockenheiten, schwere Regenfälle, extreme Temperatuschwankungen  sind für Pflanzen essentiell schwierige Situationen, auf die sie oft mit Wachstumsstockung und Erkrankung reagieren. Pflanzen sind aber nach neusten epigenetischen Erkenntnissen sehr wohl in der Lage aus den Situationen zu lernen und das auch zu vererben.
Das ist ein Wissen, was Züchter schon lange teilen. Umso wichtiger Nahrungspflanzen unter verschiedenen Situationen, so wie in unserem Netzwerk, zu züchten . Nicht der allerbeste wohlgenährte Standort wird in Zukunft die passenden Pflanzen hervorbringen.
Der Kronacker mit seiner extrem rauen Lage und dem leichten Boden bietet in dem Zusammenhang besondere Bedingungen gerade für Neuzüchtungen. Denn in der Neuanpaarung von zwei ganz unterschiedlichen Eltern können die Pflanzen an den Gegebenheiten neue Lösungen entwickeln, die die Züchterin dann durch Selektion und Pflege unterstützt.
In diesem Jahr konnten wir zum ersten Mal durchgängig die Lauchzwiebel „ Ishikrona“ aus unserer Selektion anbieten, so dass sie Pflanzen aus unserem hier vor Ort gewonnen Saatgut bekommen. Regionaler geht’s nicht mehr!  Ebenso war der frische Knoblauch im April/Mai mit grünem Laub aus unserer Züchtung und Vermehrung. In diesem Jahr gibt es auch wieder unsere Zauberbohnen. Blaue Buschbohnen aus unserer eigenen Zucht, die beim Kochen wieder grün werden. An einer eigenen Tomatenlinie arbeiten wir noch. Gut Ding will Weile haben.

Wir hoffen Sie am 12. August zu unserer Hofführung ab 15.00 begrüßen zu dürfen und ihnen nicht nur die neuste Entwicklung der Gärtnerei sondern auch unsere Züchtung vorstellen zu dürfen.

Bitte melden Sie sich für die Hofführung bis zum 05.08.17 an!

 







 
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